WW2 - Hortfund - Metalldetektor Bodenfunde

Hallo, ich wollte euch mal unseren bisher interessantesten Fund von vor ca 3 Wochen vorstellen. Wir fahren schon seit mehreren Jahren im Sommerurlaub auf eine bekannten Nordseeinsel. Da wir im letzten Jahr mit dem Detektor auf den Wegen im Wald am Strand sehr viel Münzgeld gefunden hatten, musste natürlich zumindest der kleine, etwas eingekürzte Eurotek meines Sohnes mit, u.a. damit er etwas Beschäftigung hat und wir ab und an unsere Ruhe ;-). Eines Nachmittags, ab in den Wald und auf den Wegen gesucht. Bis auf ein paar Euro-Cent blieb die Suche erfolglos, was evtl. daran lag, das wir dann später von einen weiteren Sondler erfuhren, der dort wohl sein "Unwesen" trieb. Wie das irgendwann zu einem Zeitpunkt gegen Abend so ist, "beim nächsten Fund ist Schluß". Ich erinnere mich noch genau an meine Worte: "Such doch mal auf dem kleinen Hügel, da waren wir noch nicht". Genau oben auf ein fettes, großflächiges Signal mit Leitwert 99." Hmmm", erstmal buddeln. Kupferblech. Erster Gedanke: "Schrott". Weiter freigelegt, noch mehr Kupferblech kommt zum Vorschein. Als dann erkennbar ist, das es sich um eine zusammengelötete Kiste handelt war mir sofort klar, das ist definitiv KEIN Schrott. Bis das Teil völlig freigelegt ist vergeht fast eine halbe Stunde und die Aufregung steigt, da ja niemand ahnt, was da drin ist und ich auch schwer erkennen konnte, ob da nicht eine Gefahr von ausgeht. Als wir die Kiste herausheben ist das erste was wir sehen ein paar Bücher die aus einer Seite herausfallen. Leider hatte die Lötstelle des Deckels wohl nicht gehalten. Ein deutsches Gedichtbuch aus dem Jahre 1942, ein Duden von 1939 und weitere Bücher in altdeutscher Schrift. Ich dachte: "Jackpot", "Wehrmachtshort". "Häähh ? Wie kommt sowas auf diese Insel !?" "Da sind doch bestimmt jetzt noch Waffen, Abzeichen, Orden bzw. sonstiger wertvoller Krempel drin, warum sollte sich sonst jemand die Mühe machen das zu vergraben. " Die Aufregung steigt noch weiter. Mittlerweile ist es Dunkel, schnell noch das Loch verschließen und ab ins Auto und zum Haus damit. Dann erstmal die Ernüchterung. Nur vergammelte Bücher, eine defekte Uhr aus Edelstahl, ein Löffel, ein verrosteter Zirkel und ein paar Bleistifte, sowie Ölfarbtuben und weiterer, wertloser Krempel. Also nix Wehrmacht o.ä.. "Irgendein deutscher Künstler muss das vergraben haben" dachte ich, "aber warum ?" Na toll, alles Müll. Müde, ab ins Bett. Wir haben die Kiste dann draußen stehen lassen, die Bücher waren ja eh alle feucht und vergammelt. Am nächsten Tag hatte der Wind einige Seiten etwas getrocknet und aufgeblättert. Zum Vorschein kam eine Munitionsauflistung eines 10,5cm FLAK-Geschützes. "Wie geil ist das denn". ALLE Bücher durchgeblättert. EInige waren voll mit privaten Briefen, Feldpost, handgeschriebenen Notizen usw.. Als wir dann noch ein Foto sowie eine Taufurkunde zwischen den zusammenpappenden Seiten entdeckten war uns klar: DOCH Wehrmacht. Und da wurde es interessant. Anhand der Daten und nachträglichen Recherche konnten wir herausfinden, das es dort bis Kriegsende mehrere FLAK-Stellungen und Bunkeranlagen an genau unserem Fundort gegeben hat, Stichwort "Atlantikwall". Ein Datum auf dem letzten Brief war allerdings ca. 6 Monate NACH Kriegsende! Hatte der Offizier sich dort versteckt ? Wer hat die Kiste vergraben, er selber oder eine andere Person ? Wie lautet überhaupt der Name des Soldaten ? Angehöriger der Kriegsmarine und Einheit hatten wir bis dahin bereits herausgefunden. Moment ! Was ist wenn der auffällig kleine Hügel keine ehemalige Düne sondern ein Grab ist !? Außerdem hatten wir ja die Stelle noch nicht weiter untersucht. Nochmal abends hin, Detektor auf Sens 10 und Disc 0, damit uns nichts entgeht. Signal über Signal, jedes Mal scharfe 9mm Munition, ca 10-15cm tief, allerdings nur direkt an dem Hügel. Da hat sich wohl noch jemand seiner restlichen Munition entledigt.(Anmerkung: ca. 15m neben einem Kinderspielplatz, gaaanz toll !) Dann, ca 30cm neben der Fundstelle der ersten Kiste noch ein Signal, allerdings eher schwach und sehr tief. Egal, mit der dicken Schüppe kein Problem. Erster Gedanke: "Mist, die haben den hier vergraben." Aber dann, Bingo! Wieder ein Behälter in ca 50cm Tiefe. Rund, in Gummi und Teer gehüllt. Das gehört 100%ig dazu. Diesmal musste das Loch noch tiefer gegraben werden und es kam ein ca 60cm langer, runder, sehr fragiler Behälter zum Vorschein. Vorsichtig in einen Müllbeutel gepackt, damit auch ja nichts im Dunkeln verloren geht und ab damit ins Auto. Kopfkino: " Uniform, Stiefel, Mütze, Stahlhelm, P08, jetzt endlich die Abzeichen, Münzen .... Nazigold;-)" Aber was soll ich sagen: Bücher, nur absolut vergammelte Bücher, diesmal in noch schlechterem Zustand und ohne irgendwelche handschriftlichen Notizen. Beim Angucken fielen einige teilweise schon auseinander. Alles durchgesehen, leider keine weiteren Informationen. (Bilder habe noch nicht) Trotz des total ernüchternden Inhalts, war der Fund für uns der absolute Hammer. Ohne jegliche Vorbereitung, völlig unerwartet, totale Euphorie, Nervenkitzel und Abenteuer. Kaufen kann man sich davon nichts, aber es ist dennoch unbezahlbar, gerade für meinen Sohn mit seinen 7 Jahren. Die Recherche hat dann den Rest des Urlaubs vollkommen vereinnahmt und dauert bis jetzt an. Die Briefe sind an den Rändern allesamt durch die Feuchtigkeit im Erdreich total vergammelt bzw. ausgewaschen, dort wo im Regelfall ein Name o.ä. steht. Auch auf der wenigen von uns "geretteten" Feldpost ist nichts mehr erkennbar. Mit der Taufurkunde, die nicht vom Soldaten selber ist, haben wir einige Anfragen u.a. bei der Polizei gestellt und warten noch auf Rückmeldungen, weswegen ich keine weiteren von uns herausgefundenen, u.a. auch möglicherweise heiklen Details zu der Person machen möchte. Es ist ja theoretisch möglich das derjenige noch lebt bzw. seine Angehörigen ausfindig gemacht werden können. Vielleicht steckt ja auch ein Familienschicksal hinter der Geschichte. Wenn sich die Sache aufklärt, kann ich gerne noch mehr Details bekanntgeben. Den Kompletten Fund haben wir erstmal getrocknet und eingelagert. Falls sich noch jemand ausfindig machen lässt, werden wir natürlich alles komplett übergeben. Gruß

Schöne Story. Auch wenn der Schatz nicht dabei war, bleibt es doch ein unvergessliches Erlebnis! Weiter gut Fund

Ja wahnsinn, mir fehlen die Worte ^^ Da fällt mir nur noch gw ein popcorn beer beer beer beer

Spannende Geschichte, erst recht für deinen Sohnemann. Aber daß derjenige noch unter uns sein sollte bezweifle ich, bis jetzt hätte er ja genügend Zeit gehabt seine Hinterlassenschaft zu bergen...

Ja, das mit dem Bergen stimmt natürlich. Allerdings sah es dort wenige Jahre nach Kriegsende komplett anders aus, da einige markante Punkte abgerissen wurden. Evtl. hat er diese ja als Peilung benutzt. Es ist ja auch nicht auszuschließen, das er mal dort war und die Stelle nur nicht mehr gefunden hat. Das Schönste wäre natürlich, wenn sich das aufklären würde. Vielleicht hat er ja seinen Kindern/Enkeln davon erzählt und ich kann diese ausfindig machen.

Da hattet ihr ja ein Mega Urlaub und ein Hammer Erlebnis. :thumbsup: Super wäre es noch wenn sich jemanden herausfinden würde der mit diesen Sachen im Zusammenhang steht.

Toller Fund , und wie du mit ihm umgegangen bist finde ich klasse !! Halte uns doch bitte auf dem laufenden sollte sich noch was erben . Bis dann, Lutz

Klasse Story,toll geschrieben,besser gehts nicht fie Von mir zwei dicke Daumen nach oben :thumbsup:

Also muß sagen .... Zuerst mal SUPERKLASSE Fund !!! Auf die Folter spannen haste nicht übertrieben ... Klasse Bericht ! Danke .... Freue mich schon wie es weiter geht :-)

Ich kann mich nur meinen Vorschreibern anschließen und mich für den wirklich interessanten Beitrag bedanken. Ach wenn du den erhofften Schatz am Ende des Regenbogens nicht gefunden hast, war es doch ein schönes Erlebnis.

Hallo, f

Hallo Krawallbruder, Heranführen meines Sohnes ist gut. Fast täglich fragt er mich, wann wir mal wieder mit dem Metalldetektor losziehen. :thumbsup: Ich bin überhaupt nicht scharf darauf unverschossene Munition oder sonstige Sprengmittel zu finden, da habe ich zu viel Respekt vor. Apropos Fund des Monats, das gibt es hier ja wirklich im Forum. Bin ich gerade drauf gestoßen. Unser Fund kann aber wohl nicht daran teilnehemen, da es wohl nur je einzelnem Fundstück zählt und nicht für Hortfunde. Nunja, ich kann ja mal die Blechkiste separat einstellen lol



Hallo, noch mal ein kurzes Update: In den Unterlagen der Kirche sind leider keine Aufzeichnungen mehr vorhanden, diese sind wohl in den Kriegsjahren verschollen. Das Standesamt zieht sich auf den Datenschutz zurück und will scheinbar keine Auskunft erteilen. Ergebnis der Anfrage bei der Polizei steht noch aus. Das mit dem Datenschutz kann ich ja verstehen, aber man könnte doch wenigstens die Nachfahren benachrichtigen und denen die Entscheidung überlassen sich bei mir zu melden. So wird keiner davon erfahren und die Sachen vergammeln. Der Inhalt hat ja materiell wirklich keinen Wert, aber wenn ich hören würde das irgendwo in Stalingrad ne Kiste mit Unterlagen von meinem Opa gefunden worden wäre, würde ich mir nen Ast abfreuen. Gruß

Sowas ist ärgerlich, das sich das Einwohnermeldeamt nicht mit bemühen will, sie sollten mal daran denken wie viele Menschen und Familien noch im dunkeln stehen nach den Kriegsjahren. Die bearbeiteten Personen wären bestimmt auch glücklich mehr über die Vorfahren zu erfahren wenn sie in der Situation wären. Versuche es in den Nachbarorten der Kirche, vllt ist da ein Zusammenhang der Person zu erfahren oder wenn du was entziffern kannst, Namen oder der gleichen, suche danach. Ist meine Meinung. Weiß ja nicht wie groß bei euch die Gemeinden sind, bei mir ist es überschaubar und findet immer etwas heraus über solch Sachen.



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